[ Übersicht der Themen des Monats ] [ Rezensionen ] [ News ]  [ Homepage ]

 
       
   

Kommentierte Bibliografie

 
   

Einsamkeit

 
   

Vom Alleinsein in der paar- und familienorientierten Gesellschaft. Eine Bibliografie (1977 - heute)

 
     
   
     
 

Einführung

Einsamkeit und Alleinleben gelten in unserer paar- und familienorientierten Gesellschaft oftmals als Synonym, obwohl Einsamkeit auch in Partnerschaften ("gemeinsam einsam" oder Familien nicht selten ist. Im viel gelesenen Beitrag Einsamkeit. Single-Haushalte und die Fröste der Freiheit aus dem Jahr 2002 wurden deshalb typische Vorurteile in der Debatte um die so genannte Single-Gesellschaft aufgezeigt und das Alleinleben als anspruchsvolle Lebensform dargestellt. Außerdem wurde aufgezeigt wie man der Einsamkeitsfalle entgehen kann,

Partnerlose werden als "einsame Herzen" bezeichnet und die professionelle Partnersuche gilt als Geschäft mit der Einsamkeit, Partnerlose und Partnersuchende sind jedoch nicht identisch mit Alleinlebenden. In dieser Bibliografie steht nicht diese "Lonely Hearts"-Thematik im Mittelpunkt, weil es dazu zahlreiche speziellere Bibliografien gibt (eine Übersicht findet sich hier). Einsame sind jedoch oftmals Opfer von Liebesbetrügern, weshalb dieser Aspekt in dieser Bibliografie behandelt wird.

Wohngemeinschaften und Mehrgenerationenhäuser werden von Betroffenen als auch von der Politik als Lösung des Einsamkeitsproblems angesehen. Den Alleinlebenden droht dagegen der einsame Tod. Inwiefern dies zutreffend ist, zeigt die kontrovers geführte Debatte um den demografischen Wandel. Können nicht Nachbarn, Haustiere, Freunde oder gar neue Technologien gegen Einsamkeit helfen und das Alleinsein angenehmer gestalten?

Gibt es Risikofaktoren oder Verhaltensweisen, die ein Leben in Einsamkeit wahrscheinlicher machen? Die psychologischen Beiträge in dieser Bibliografie beschäftigen sich mit dieser Frage. Mitte der Nuller Jahre gab es eine regelrechte Flut von Einsamkeitsliteratur, in der es um ein neues Ethos der Einsamkeit geht. In dem zweiteiligen Beitrag Das neue Ethos der Einsamen wird der Wandel des Einsamkeitsverständnisses in der neuen Ratgeberliteratur vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels beschrieben.

Im Zeitalter der Demografiepolitik symbolisiert die kinderlose Karrierefrau die Einsamkeit par Excellence: Einsame Spitze oder Erfolgreich, einsam, kinderlos (so der Untertitel eines Bestsellers) bringen dies auf den Punkt. Auch dieser Aspekt wird in anderen speziellen Bibliografien und Beiträgen ausführlicher beleuchtet (mehr hier) und hier nur am Rande thematisiert.  

Kommentierte Bibliografie (Teil 1: 1977 - 2004)

1977

ZORN, Fritz (1977): Mars, München: Kindler Verlag

HENÉ, Mario (1977): Lieber allein, als gemeinsam einsam, Hamburg: Metronome Musik GmbH

Lieber allein, als gemeinsam einsam

"Einsamkeit ist der Preis meiner Freiheit / ich möcht' sie trotzdem nicht verliern. / Lieber allein als gemeinsam einsam / vor Zufriedenheit zu friern".
(Mario Hené, 1977)

1978

SPIEGEL-Titelgeschichte: Alleinleben.
Die neue Freiheit

SCHREIBER, Hermann (1978): Du bist du, und ich bin ich.
Teil 1: Vor Liebe wird gewarnt,
in: Der Spiegel, Nr. 25 v. 19.06.

Herman SCHREIBER beschreibt in der 3-teiligen Spiegel-Serie das Alleinleben als Reaktion auf die Einsamkeit zu zweit.

1979

GERZ, Jochen (1979): Einsamkeit. In: Bettina Best (Hrsg.) Ich lebe alleine, München: Matthes & Seitz Verlag

Einsamkeit

"Die Einsamkeit ist ein relativer Begriff. Man kann damit ganz verschiedenes meinen. Wenn jemand macht, was er will und dahin geht, wohin er will, kann das Wort für ihn anziehend sein. Wenn er aber mitten auf einer Straße, die mit Leuten überfüllt ist, einsam ist, kann er das eigentlich gar nicht sein, denn das heißt ja ohne andere Menschen sein, und gleichzeitig heiß es auch (in den Berichten, die Einsiedler und sonstige Leute betreffen, die sich zurückzogen in die Einsamkeit): sich selbst genug sein, sich selbst disponibel halten für sich selbst. So heißt Einsamkeit heute oft das Gegenteil von früher und ist vor allem trist und ausweglos."
(1979, S.35)

1980

PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Einsamkeit.
Lernen sich selbst zu ertragen

SEIFERT, Theodor (1980): Lernen sich selbst zu ertragen.
Einsamkeit und Alleinsein sind zweierlei. Viele leben allein, doch nicht alle fühlen sich einsam. Und die Einsamkeit hat viele Erscheinungsformen. Manche können die Angst vor ihr kaum mehr ertragen, andere sehnen sich danach, allein zu sein. Sicher sind die meisten auf den Kontakt mit anderen Menschen angewiesen. Wie gut wir aber auch ohne sie auskommen, hängt davon ab, wie wir zu uns selber stehen,
in: Psychologie Heute, H.2, Februar

RUBINSTEIN, Carin/SHAVER, Philipp/PEPLAU, Letitia Anne (1980): Einsamkeit.
Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit,
in: Psychologie Heute, H.2, Februar

M.M. (1980): "Eine ganz gewöhnliche Reaktion".
Einsamkeit: Der Soziologe Robert Weiß gilt als Nestor der Einsamkeitsforschung: Für ihn ist Einsamkeit eine Reaktion auf das Fehlen von emotionalen oder sozialen Beziehungen,
in: Psychologie Heute, H.2, Februar

1987

PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Einsamkeit. Eine Herzkrankheit?

MEER, Jeff (1987): Einsamkeit.
Wie entsteht das Gefühl der Einsamkeit, das immer mehr Menschen quält? Und wann wird aus der unvermeidbaren Erfahrung der Einsamkeit ein chronischer Zustand? Psychologen haben begonnen, die Einsamkeit und ihre Ursachen zu erforschen,
in: Psychologie Heute, H.3,
März

1989

STRASSER, Eva (1989): Der ewige Single.
Warum immer mehr junge Frauen einsam sind,
in: Wiener, Mai, S. 86-93

PULS, Wichard (1989): Soziale Isolation und Einsamkeit: Ansätze zu einer empirisch-nomologischen Theorie, (Diss.), Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag

Die Entwicklung der Einpersonenhaushalte veranschlagt Wichard PULS aufgrund einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes auf 14,7 % im Jahr 1990 (1981: 12,9 %). Anhand einer Literaturstudie, bei der die Ergebnisse der GETAS-Studie (1980), eine Untersuchung von OPASCHOWSKI & NEUBAUER (1981) und die Forschungen von Jenny DE JONG-GIERVELD berücksichtigt werden, kommt PULS zur Hypothese:

"Je größer der Anteil der Personen einer Gesellschaft ist, der in Einpersonenhaushalten lebt, desto wahrscheinlicher ist es, daß sich eine Person innerhalb dieser Gesellschaft in einem Zustand der sozialen Isolation befindet und sich einsam fühlt" (1989, S.380; im Original unterstrichen)

1990

STRASSER, Eva (1990): Nie mehr Single.
Das Ende einer Ära,
in: Wiener, März S.76-80

Nie mehr Single

"Einsamkeit wird als Leiden der 80er Jahre die Krankenstatistik anführen. Zehn Millionen Alleinlebende in Deutschland sind ihre potentiellen Opfer. Halbe Metropolen sind zu gigantischen Lazaretten verkommen, wo angeknackste Einzelkämpfer verzweifelt ihr Image als lockerer Großstadt-Sklave zu retten."
(März 1990)

BECK, Ulrich & Elisabeth BECK-GERNSHEIM (1990): Das ganz normale Chaos der Liebe, Frankfurt a/M: Suhrkamp Verlag

Das ganz normale Chaos der Liebe

Klicken Sie auf das Bild, um mehr Infos zu bekommen

"In den Idealisierungen der modernen Liebesehe spiegelt sich noch einmal der Weg der Moderne. Die Überhöhung ist das Gegenbild zu den Verlusten, die diese hinterläßt. Gott nicht, Priester nicht, Klasse nicht, Nachbar nicht, dann wenigstens Du. Und die Größe des Du ist die umgedrehte Leere, die sonst herrscht.
Das heißt auch: weniger das materielle Fundament und die Liebe, sondern die Angst vor dem Alleinsein hält Ehe und Familie zusammen. Was jenseits von ihr droht oder befürchtet wird, ist bei allen Krisen und Konflikten vielleicht das stabilste Fundament der Ehe: Einsamkeit."
(1990, S.49f.)

"Die Grundfigur der durchgesetzten Moderne ist - zu Ende gedacht - der oder die Alleinstehende (...).
Doch in dem Maße, in dem diese individualisierte Existenzführung gelingt, wächst die Gefahr, daß sie zu einem unüberschreitbaren Hindernis für die ja meist doch angestrebte Partnerschaft (Ehe, Familie) wird. In dem Single-Dasein wächst die Sehnsucht nach dem (der) anderen ebenso wie die Unmöglichkeit, diesen Menschen in den Bauplan des nun wirklich  »eigenen Lebens« überhaupt noch aufnehmen zu können. Das Leben wurde ausgefüllt mit der Nichtgegenwart des anderen. Jetzt ist kein Raum mehr für ihn (sie). Alles atmet die Abwehr von Einsamkeit: die Vielfalt der Beziehungen, die Rechte, die man ihnen einräumt, die Gewohnheiten des Wohnens, die Verfügung über den Zeitplan, die Arten des Rückzugs, um die hinter den Fassaden bohrenden Schmerzen zu bewältigen. Dies alles wird durch die erhoffte Zweisamkeit in seiner mühselig austarierten Feinbalance gefährdet. Die Konstruktionen der Selbständigkeit werden zu Gitterstäben der Einsamkeit."
(990, S.190f.)

1991

GROSS, Peter (1991): Solitäre Enklaven. Zur Soziologie des Nicht-Sozialen. In: Vetter (Hg.) Muster moderner Lebensführung. Ansätze und Perspektiven, Weinheim/München: Juventa, S.379-406

SCHEIDT, Jürgen vom (1991): Die Wonnen der Einsamkeit, in: Copray, Norbert (Hrsg.) Lieber allein? Im Sog der Single-Gesellschaft, München: Kösel, S. 120-126

Die Wonnen der Einsamkeit

"Auf jeden Single, der in einem Einpersonenhaushalt lebt, kommt mindestens noch ein weiterer, dem man das nicht so ohne weiteres ansieht. Es ist sogar anzunehmen, daß Singlesein inzwischen die am weitesten verbreitete Lebensform im psychologischen Sinne ist - nur wissen es oft nicht einmal die Betroffenen selbst. Ich nenne diese Leute (...) »Krypto-Singles«. Denn obgleich sie - nach außen hin - im Gegensatz zum echten Single im Sinne der Statistik mit anderen Menschen in einer engen Gemeinschaft leben, sind sie doch so viel allein, und leben sie vor allem in einer solch ausgeprägten inneren Einsamkeit und Distanz zu ihrer Familie, daß man sie ohne Bedenken als Single bezeichnen darf"
(1991, S.124)

1992

MAKOWSKY, Arno (1992): Solo-Trip über fünfzehn Stockwerke.
Wie die Menschen in einem typischen Münchner Appartementhaus mit 443 Einzelmietern über die trennende Gemeinsamkeit denken, allein zu leben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.05.

"Die Anonymität: In der Franziskanerstraße ist sie allgegenwärtig. Niemals, sagt Birgit G., sehe man Nachbarn, die sich unterhalten, an Bekanntschaften sei gar nicht zu denken. So ist es kaum erstaunlich, wenn ein Münchner Polizeisprecher es als »ganz normal« bezeichnet, daß in großen Appartementhäusern Todesfälle oft erst nach Wochen, manchmal Monaten entdeckt werden. (...). Vom Dauerauftrag für die Miete bis zur automatisch abgebuchten Telefon- und Stromrechnung - der moderne alleinlebende Mensch hat sein Leben so geregelt, daß sein Tod nicht weiter auffällt", schreibt Arno MAKOWSKY.

1993

SCHWAB, Reinhold (1993): Einsamkeit. In: Angela Schorr (Hg.) Handwörterbuch der Angewandten Psychologie. Die Angewandte Psychologie in Schlüsselbegriffen. Bonn: Deutscher Psychologen Verlag, S.148-151

FOCUS-Titelgeschichte: Schicksal Single.
Der Preis der Ich-Sucht

KLONOWSKY, Michael (1993): Schicksal Einsamkeit: Der Preis der Ich-Sucht.
Jede zweite Wohnung in den Großstädten ist ein Single-Appartement. Während die moderne Einsiedelei weiter boomt, leiden die Eremiten,
in: Focus Nr.49 v. 06.12.

"Der unbekannte Mann, auf den Polizeibeamte am 30. März 1993 in einer Wohnung im Wiesbadener Stadtteil Biebrich stießen, starb ungefähr Ende Oktober 1989. Seine mumifizierte Leiche lag dreieinhalb Jahre auf dem Küchenfußboden. Hätte nicht Interesse an der Wohnung bestanden, läge er vermutlich heute noch dort.
Einsam sterben - nur ein Randgruppenschicksal?
Offenbar nicht", meint Michael KLONOWSKY.

1997

NAUMANN, Frank (1997): Solo in die Jahre kommen. Auch Singles werden älter, Reinbek: Rowohlt

FLIEGEL, Steffen (1998): "Kontaktanzeigen".
Eine Hilfe gegen Einsamkeit?,
in: Vorname genügt, Sendung des WDR 2
v. 18.05.

PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Zeitkrankheit Einsamkeit.
Isolation überwinden, Kontakte knüpfen

LEVEND, Helga (1997): "Bin ich gut genug?"
Überhöhte Ansprüche an sich selbst können einsam machen,
in: Psychologie Heute, H.6, Juni

"Einsamkeit ist kein Phänomen unserer Zeit. Sie ist ein Grundgefühl des Menschen, dem er sich immer wieder neu stellen muß. Allenfalls haben sich die Ursachen und das Erscheinungsbild etwas verändert.
Wissenschaftler haben herausgefunden: Es sind eher junge als ältere Menschen, die über Einsamkeit klagen", meint
Helga LEVEND.

UNVERZAGT, Gerlinde (1997): Einsamkeit: Chance zum persönlichen Wachstum,
in: Psychologie Heute, H.6, Juni

SCHREP, Bruno (1997): Die 40 Quadratmeter der Marianne W.
Fünf Jahre lag ein Toter unbemerkt in seinem Hamburger Apartment - der Fall schockt die ganze Republik,
in: Spiegel Nr.40 v. 29.09.

1998

KOELBL, Susanne (1998): Ist doch irre.
Fünf Jahre lag ein Toter unbemerkt in seinem Hamburger Apartment - der Fall schockt die ganze Republik,
in: Spiegel Nr.48 v. 23.11.

1999

RÖHRLE, Bernd & Julia OSTERLOW (1999): Gemeinsam allein?
Zur Psychologie der Einsamkeit,
in: Universitas Nr.636, Juni, S.572-585

HANIKA, Iris (1999): Wir einsamen Frauen,
in: Merkur Nr.6, Juni, S.568-574

2000

VASKOVICS, Laszlo A./ROST, Harald/ENGEL, Sabine/MATTSTEDT, Simone/SMOLKA, Adelheid (2000): Älterwerden als Single, ifb-Forschungsbericht Nr.4, Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg

SCHMIDT, Stephanie (2000): "Zweisam", "Dreisam", aber niemals einsam. Wohngemeinschaften als ideale Lebensform,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.08.

ROTTENBERG, Thomas (2000): Zu Besuch bei alten Damen.
Die "Gesellschafterin" soll Einsamkeit vertreiben helfen,
in: Standard v. 09.10.

KLÜVER, Reymer (2000): Requiem für Nummer 16098.
Immer mehr Leichen kommen unter die Erde, ohne dass Angehörige Notiz davon nehmen - Geistliche wollen darüber nicht einfach Gras wachsen lassen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.11.

2001

ZOUBEK, Holger (2001): Anrufe gegen die Einsamkeit.
Bei den Mitarbeitern der evangelischen Telefonseelsorge melden sich jeden Tag mehr als 60 Ratsuchende,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.02.

BAUSCHMID, Elisabeth (2001): Man arrangiert sich.
Eine Studie belegt: Der Single ist nicht einsam,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.02.

MAYRING, Eva-Maria (2001): Kampf der Einsamkeit.
Förderung von Wohngemeinschaften für Ältere
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.03.

KNA/WAZ (2001): Es geht auch ohne Familie.
Die Ich-Gesellschaft als Ausdruck von Einsamkeit und Isolation? Der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp widerspricht dieser Betrachtung und warnt vor "gesellschaftsdiagnostischen Schnellschüssen",
in: WAZ Wochenende v. 13.07.

MISCHKE, Roland (2001): Die schlimmste Not ist die Einsamkeit.
Vielen Eltern sind Beruf und Freizeitvergnügen wichtiger als ihre Kinder: Wir stehen vor einer "Erziehungskatastrophe", klagt Journalistin Susanne Gaschke
in: Saarbrücker Zeitung v. 16.08.

GLOBERT, Yvonne (2001): Einsam im August.
Wenn alle übers Sommerloch stöhnen, laufen beim Berliner Krisendienst die Telefone heiß. Nicht nur Alleingebliebene, auch Touristen suchen Hilfe,
in: TAZ v. 22.08.

KURIER (2001): Singles in New York fühlen sich einsam,
in: Kurier v. 08.10.

Das Klischee von New Yorker Singles wird von Yuppie-Serien wie Sex and the City bestimmt. Nach den Terroranschlägen soll das Single-Dasein - wie die New York Times meldete - noch ein bisschen einsamer geworden sein.

Es ist üblich geworden, jedes passende und unpassende Ereignis zum Anlass zu nehmen, um das "Ende der Spaßgesellschaft" zu fordern oder zu verkünden. In den Berichten über die "neue Qualität" des Single-Daseins nach den Terroranschlägen wird versucht eine Ausnahmesituation zu normalisieren. Nichts mehr, und nicht weniger.

Die Gleichung "Single-Gesellschaft" = "Spaßgesellschaft" hat vor dem 11. September nicht gestimmt und wird deshalb jetzt auch in ihrer Umkehrung nicht richtiger.

AFP (2001): Erster Konversations-Roboter für einsame Singles in Japan,
in: Kieler Nachrichten v. 13.10.

SCHWARZACHER, Lukas (2001): Ein digitales Lächeln gegen die Einsamkeit.
Der Roboter als Lebensgefährte hat in Japan Konjunktur.
in: Frankfurter Rundschau v. 16.10.

EICHHORN, Roland (2001): Auch Einsamkeit macht krank.
Für Herzinfarkte sind zahlreiche psycho-soziale Faktoren mitverantwortlich
in: Frankfurter Rundschau v. 06.11.

"Der US-Arzt Dean Ornish hat in einer Vielzahl von Studien aus aller Welt den großen Einfluss von sozialer Isolation und fehlendem menschlichen Rückhalt herausgestellt. Auch für die Herzerkrankungen gilt: Isolation macht krank, Verbundenheit und Nähe (sogar mit Haustieren) wirkt als Gesundheitsschutz",

schreibt Roland EICHHORN. Normalerweise wird zwischen sozialer Isolation als objektivem Tatbestand der Kontaktlosigkeit und Einsamkeit als einem subjektiven Gefühl unterschieden.

Der Slogan "Lieber allein, als gemeinsam einsam" weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen beiden Phänomen nicht sehr eng ist. Unerwünschte Unterstützung ist ebenfalls ein Stressfaktor, dem aber angesichts der sozialpolitisch verzerrten Single-Debatte keine Aufmerksamkeit zuteil wird. Gerade Untersuchungen, die mit objektiven Faktoren arbeiten, sitzen gravierenden Fehlschlüssen auf. Wenn es um das subjektive Phänomen Einsamkeit geht, dann ist durchaus mit negativen Folgen im Sinne von ORNISH zu rechnen.

HAEGELE, Anja (2001): "Wer verzweifelt nach Freunden sucht, der findet keine".
BRIGITTE-Dossier: Einsamkeit - das große Tabu,
in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

Ein Umzug in eine fremde Stadt ist - trotz fester Partnerschaft - ein kritisches Lebensereignis wie Anja HAEGELEs Beispiel zeigt.

HELD, Monika (2001): Einsamkeit tut weh.
BRIGITTE-Dossier Einsamkeit - das große Tabu: Alleinsein ist eine Kunst, Einsamkeit ein Makel. Man ist nicht einsam. Nicht in unserer Spaßgesellschaft,
in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Die Erkrankung Einsamkeit.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (5): Im rationellen Zeitmanagement kann eben nicht wahrgenommen werden, dass Kommunikation zwar alles andere als effektiv und linear ist, sondern eher ornamental, aber genau darin - unverzichtbar,
in: TAZ v. 27.11.

DPA (2001): Einsame Singles unterm Weihnachtsbaum sind Irrglaube.
Laut Uni Mainz wird an Wochenenden Alleinsein schlimmer empfunden,
in: Mannheimer Morgen v. 19.12.

DPA (2001): Alleinlebende sind am Wochenende einsamer als zu Weihnachten,
in: Dolomiten v. 19.12.

2002

GEBHARDT, Miriam (2002) Trauer und Glück der Überlebenden.
Verwitwete Frauen bleiben oft über Jahrzehnte allein. Wie sie leben - danach fragt niemand in einer Gesellschaft, die den Tod verdrängt,
in: Die ZEIT Nr.3 v. 10.01.

Miriam GEBHARDT berichtet aus dem Mittelschichtleben von 3 Witwen. Zwei Witwen können zum normalen Witwenleben gezählt werden, während die dritte Witwe mit ihren 30 Jahren zu den atypischen Witwen gehört. Sie gehört zu rund 250.000 Witwen und Witwern unter 50 Jahren in Deutschland. Weitere 250.000 Menschen dieses Alters haben ihren Partner durch Tod verloren. Martina NICOLAIDIS hat aufgrund dieser Erfahrung eine Selbsthilfeorganisation für verwitwete Mütter & Väter gegründet, die auch im Web unter www.verwitwet.com präsent ist.

ABI (2002): HR-Stadtgespräch.
Die Einsamkeit in der Spaßgesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.01.

"'Einsam allein oder glücklich allein?' Das Stadtgespräch des Hessischen Rundfunks am Donnerstag, 17. Januar dreht sich um Singles - freiwillige und unfreiwillige."

Die Ankündigung lässt eine der üblichen Veranstaltungen der Kulturpessimisten erwarten. Das Thema dürfte auch vollkommen verfehlt sein, da es um Einsamkeit geht und davon sind in erster Linie Nicht-Singles betroffen. Ein Terminus wie "Spaßgesellschaft" lockt auch nicht unbedingt Singles in diesen Gesprächskreis. Da Pessimismus ansteckt, sollte man die Kulturpessimisten sich selbst überlassen...

FOD (2002): "Männer leiden stärker unter Alleinsein als Frauen".
Der Gerontologe und Psychiater Dr. Peter Netz sprach über Suizidalität im Alter - "Gesunkenes Selbstwertgefühl" - Diskussion um Sterbehilfe,
in: Gießener Anzeiger v. 02.02.

Von den über-65jährigen sollen 25 % sozial isoliert sein. Es wird jedoch nicht angegeben, was darunter verstanden wird. Soziale Isolation wird von einigen Forschern mit dem Führen eines Einpersonenhaushaltes gleichgesetzt, andere verstehen darunter die geringe Kontakthäufigkeit. Beides sind jedoch keine ausreichenden Indikatoren für "Vereinsamung". Witwer scheinen besonders gefährdet. Über die Ursachen wird im Bericht jedoch nur spekuliert. Angeblich soll die Unfähigkeit einen Haushalt allein führen zu können, eine Rolle spielen. Tatsache ist jedoch, dass ältere Männer nur selten einen Einpersonenhaushalt führen, weil sie entweder wieder heiraten oder früher sterben als ihre Ehefrau.

ZIPS, Martin (2002): Roland - allein zuhaus.
In Bayerns Großstädten lebt jeder Zweite allein. Besuch bei einem von zwei Millionen Singles - wie ein 40-Jähriger das Leben in der Einsamkeit meistert,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.

Es ist eine Schande, dass in einer überregionalen Zeitung immer noch Falschmeldungen über die Anzahl der Singles zu lesen sind.
Es kann gar keine Rede davon sein, dass in Bayerns Großstädten jeder Zweite allein lebt. Der Autor verwechselt die Haushalts- und Personenebene.

Martin ZIPS hätte besser bei seinem Kollegen von der Regionalzeitung Main Echo (10.12.2002) abgeschrieben, denn dort steht zu lesen, dass

"in den bayerischen Städten mit mindestens 100 000 Einwohnern über 26 Prozent der Menschen alleine (lebten). Fast jeder zweite Haushalt (49 Prozent) bestand dort aus nur einer Person."

Auch wenn man bei der SZ gerne die Familien als aussterbende Minderheit darstellt, so sollte man nicht versuchen die Anzahl der Singles künstlich zu dramatisieren, denn dies ist singlefeindliche Medienberichterstattung.

"Nur wenige Singles sind unter 30".

Dies ist so richtig wie falsch! Die größte Gruppe sind die älteren Witwen. Aber auch junge Singles unter 30 sind in Bayern mit 18 Prozent eine bedeutende Gruppe. Die Alleinlebenden jedoch, die im Brennpunkt der Medien stehen, sind die 25-45 Jährigen. Nur ist das nicht die Mehrheit, wie es ZIPS nahelegt, sondern eine Minderheit.

Nur in einem Punkt liegt ZIPS richtig: Männer dominieren in dieser Gruppe auch wenn die weiblichen Yuppies gerne in den Vordergrund gerückt werden. Das Fallbeispiel eines geschiedenen Alleinlebenden, der Unterhalt zahlen muss liegt näher an der Wirklichkeit des typischen männlichen Singles im mittleren Lebensalter als die üblichen Lifestyle-Yuppie-Geschichten. Der Soziologe Jörg ECKHARDT nennt diese Gruppe die "gebrauchten Junggesellen".

KAUFMANN, Jean-Claude (2002): Singlefrau und Märchenprinz. Über die Einsamkeit moderner Frauen, Konstanz: UVK

Singlefrau und Märchenprinz

"Die Kennzeichnung der Armut durch Einsamkeit ist öfter männlich, während die Kennzeichnung des gesellschaftlichen Erfolgs durch Autonomie häufiger weiblich ist. Alleinlebende Männer findet man häufiger unten auf der gesellschaftlichen Leiter, alleinlebende Frauen häufiger oben."
(2002, S.251)
 

DPA (2002): Geräusch-CD für einsame Singles,
in: Thüringer Allgemeine Zeitung v. 31.05.

Die Agenturmeldung wird von der Zeitung mit dem Bild einer Frau im mittleren Lebensalter repräsentiert. Die Frau sitzt allein in einem leeren Straßencafé. So soll Einsamkeit angeblich aussehen. Die CD wird angepriesen mit den Worten:

"Realitätsnahe Stücke wie »Noch kurz die Zeitung lesen«, »Zwischendurch einen Cappuccino« oder auch »Jeder muss mal« führen mehr oder weniger einfühlsam vor, was man alles verpasst, wenn man sein Leben als Single verbringt".

Wann kommt die Geräusch-CD für frustrierte Paare und Eltern? Der Markt dafür müsste angesichts des Gejammers der Paartherapeuten und Familienrhetoriker eigentlich wesentlich größer sein als jener für einsame Singles.

KRAUSE, Tilman (2002): Allein sein im Geheimnis.
Produktive Potenziale II: Der Rückzug auf sich selbst,
in: Welt v. 29.08.

Tilman KRAUSE plädiert für das Alleinsein als einfache Methode der Konfliktbewältigung, die in den Zeiten der Außenleitung (RIESMAN) aus der Mode gekommen ist:

"Die Selbst-Konfrontation zählt schließlich zu den wenigen großen Abenteuern, die auch dem Mittellosen zugänglich sind. Wer sich ihr überlässt, wird in jedem Falle reicher. Reicher an Einsichten über das Menschsein. Und die kommen nicht nur dem Ich, die kommen dann sogar der Gesellschaft zugute."

HENDRIK, Werner (2002): Ball der einsamen Herzen.
In keiner Stadt leben mehr Singles als in Berlin. Und nirgendwo treibt die Kuppelbranche so bizarre Blüten wie hier,
in: Welt am Sonntag v. 29.09.

GEO-Titelgeschichte: Einsamkeit.
Was ist wichtig am Alleinsein? Was ist zerstörend am Alleinsein?

POSSEMEYER, Ines (2002): Einsamkeit.
Ein Gefühl der Verlassenheit, ein heilsamer Zustand des Massenwesens Mensch, eine Geißel der individualisierten Gesellschaft? Noch nie wurde von Wissenschaftlern so viel Aufwand getrieben, sich dem Menschheitsthema Einsamkeit zu nähern: Sie analysieren Verhalten und Immunfunktionen, sie messen Empfindungen und soziale Kontakte - und sie lassen in raffinierten Experimenten sogar Tiere einsam sein,
in: Geo, Oktober

HANIKA, Iris (2002): Der moderne Mensch - einsam?
Von seltsamen Strategien für Singles,
in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio v. 31.10.

WIESCHE, B. aus der (2002): Die Angst vor der Einsamkeit des Alters,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 20.12.

"Eine Viertel der Kölner Bevölkerung, etwa 250 000 Menschen, sind älter als 60 Jahre. Ihr Hauptproblem ist nicht etwa materielle Armut - die überwiegende Mehrheit hat ein gutes Einkommen - sondern die Gefahr der Vereinsamung. Betroffen sind vor allem Alleinstehende, Verwitwete und Kinderlose",

behauptet WIESCHE. Die Sozialstatistik und -forschung weis da anderes zu berichten.

2003

HEINKE, Nathalie (2003): Der vermeintlich letzte Ausweg.
Weit über zehntausend Menschen sterben jährlich in Deutschland durch Selbstmord. Das sind mehr, als im Straßenverkehr umkommen. Vor allem die über 60-Jährigen sind suizidgefährdet. Die Ursachen sind Depression und Einsamkeit,
in: TAZ v. 13.06.

Selbstmord ist männlich: über 8000 Männer und weniger als 3000 Frauen nahmen sich 2001 das Leben. HEINKE führt dazu aus:

"Nach Depressionen und Suchtmittelabhängigkeit scheint das Kriterium Alter die dritthäufigste Gefährdungskategorie für eine suizidale Entwicklung zu sein, so die Expertensicht. Einsamkeit, der Verlust des vertrauen Umfeldes oder des Lebensgefährten, Krankheit, Isolation, Armut und Misshandlungen - die Gründe, weshalb alte Menschen an Selbstmord denken oder ihn in die Tat umsetzen, sind vielfältig."

STUCK, Silke (2003): Ersatzfamilie gegen Einsamkeit,
in: Berliner Zeitung v. 24.06.

BÄRTELS, Gabriele (2003): Einsamkeit,
in: Freitag Nr.47 v. 14.11.

DRIBBUSCH, Barbara (2003): Das Paradox des Wohlbefindens.
Jobs werden unsicherer, das Leben ungerechter, die Menschen einsamer - so die Mythen über Deutschland. Die Wirklichkeit sieht anders aus,
in: TAZ v. 31.12.

2004

PSYCHOLOGIE HEUTE (2004): Die Pein allein.
Ein Mangel an befriedigenden Sozialkontakten belastet den Kreislauf,
in: Psychologie Heute, Januar

HÖGE, Helmut (2004): "Eine unnötige Zirkulation von Papier und Geld".
Die Geschichte hinter den Obdachlosen-Zeitungen: Ein Insider berichtet aus der Szene in der Hauptstadt,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.

Helmut HÖGEs Informant berichtet von Singles, die in keiner Single-Statistik erfasst werden:

"Die meisten Obdachlosen sind Männer. Frauen verlieren zwar schneller ihren Job, kommen aber besser damit klar, auch mit der Einsamkeit. Männer verwahrlosen zudem leichter. Sie suchen verzweifelt Kontakte, treffen sich mit anderen am Kiosk oder im Bahnhof, pennen mal hier mal dort und irgendwann sagen sie sich: »Ich brauch meine Wohnung, diesen Saustall, doch eigentlich gar nicht.» Man gibt einem Menschen noch kein Zuhause, wenn man ihm eine Wohnung zuweist."

Männliche Singles als Modernisierungsverlierer war von single-generation.de bereits vor längerer Zeit als ein Thema benannt worden, das es zu entdecken gilt. Der Artikel von HÖGE ist ein erster Einstieg in ein weitgehend brachliegendes Thema:

"Für Frauen gibt es an sich (...) mehr und bessere Hilfsangebote als für Männer. Außerdem sprechen die Gerichte zu Recht im Trennungsfall, wenn ein Kind da ist, meistens der Frau die Wohnung zu.
Und dann sind hier in den letzten Jahren rund 500 000 Männerarbeitsplätze weggefallen, aber 700 000 Frauenarbeitsplätze neu entstanden. Für Männer sieht es also immer schlechter aus - besonders von einem bestimmten Alter an und bei bestimmten Berufen. Es gibt inzwischen eine regelrechte Partnerlosigkeit aus Armut. Die Männer sind einsam, weil sie arm sind und umgekehrt.
"

KOBER, Henning (2004): "Ein Tanz auf dem Hochseil".
Seit 1995 ist Jürgen Domian auf Sendung. Tief in der Nacht spricht er im Radio und im Fernsehen mit Menschen über ihre Probleme. Am Anfang heftig kritisiert, ist der Medienseelsorger inzwischen Träger des Bundesverdienstkreuzes. Ein Gespräch
über Freaks, Heimat und Einsamkeit,
in: TAZ v. 24.01.

WDR-Radiomoderator Jürgen DOMIAN u.a. über Einzelgängertum: "Sie bezeichnen sich als Einzelgänger - was macht einen dazu?
Ich hatte schon als Kleinkind eine ausgeprägte Sehnsucht nach Autonomie. In Gesellschaft von Erwachsenen habe ich mich wohler gefühlt als bei der ganzen Kindermischpoke. Ich bin Einzelkind, wurde aber eigentlich nicht so erzogen.
Hätten Sie gern Geschwister gehabt?
Ja, einen großen Bruder oder auch eine kleine Schwester. Vielleicht wird man durch Geschwister etwas lockerer.
Ist es gut, ein Einzelgänger zu sein?
Ich weiß, dass ich es allein kann. Mich packt nicht wie andere die Panik, wenn ich etwas allein machen muss. Aber es macht das Leben auch schwer, wenn man Menschen oder Gruppen aus dem Weg geht."

BITTNER, Jochen (2004): Jung, gebildet, allein.
Von wegen neoliberale Spaßgesellschaft. Wenn Jobs und Geld knapp sind, bleibt für Zweisamkeit kaum Zeit. Romantik wird zum Luxusgut,
in: Die ZEIT Nr.6 v. 29.01.

HERBON, Bernd (2004): Single bells.
"Quirkyalones": Rechtzeitig zum Valentinstag formieren sich die glücklichen Einsamen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.02.

NEON-Titelgeschichte: Haben wir die Liebe verlernt?
Wie Single-Börsen und Flirt-Partys zu unserer letzten Hoffnung werden

VORBEK, Lilli (2004): Allein zu Hause.
Schafft man es auch alleine, wenn der richtige Partner auf sich warten lässt? Es geht, glaubt unsere Autorin. Auch wenn's manchmal hart ist. Aber besser fast glücklich alleine sein als unglücklich zu zweit,
in: Neon, Mai

Lilli VORBEK unterscheidet zwischen Menschen, die für das Single-Dasein geschaffen sind ("Sheriffs") und jenen, die zu weich dafür sind ("Weiber"). Das Single-Dasein stillt den unbändigen Erfahrungshunger, während das Paar-Dasein etwas für den ruhige Lebensabend ist. Am besten legt man beim Lesen eine CD von Christiane RÖSINGER und den Lassie-Singers auf, denn VORBEK schreibt über die "Pärchenlüge" der Langzeitpärchen und ihre abschreckenden Pärchenabende. Die Autorin ist definitiv eine kompromisslose Romantikerin, die lieber allein als einsam zu zweit ist. Wenn der Märchenprinz wider Erwarten ausbleibt, dann ist es Zeit für ein Buch von Jean-Claude KAUFMANN.

STAUN, Harald (2004): Der Papst der Einsamkeit.
Wem die Jungend eine Marter ist, dem ist das Alter eine Erlösung: Morrissey ist wieder da. Und besser denn je,
in: Spiegel Online v. 02.05.

SCHMITT, Peter-Philipps (2004): Einsam bis in den Tod.
Immer mehr Menschen werden "zwangsbeigesetzt", weil sich keine Angehörigen finden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.05.

KRAHLISCH, Nancy (2004): Gemeinsam statt einsam,
in: Berliner Zeitung v. 28.05.

HANDEL, Stephan (2004): Letzte Vorgänge.
Eine Frau stirbt, und niemand ist da, der sie beerdigt - immer öfter müssen die Behörden handeln, wenn der Tag des Todes kommt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.06.

GUDE, Hubert (2004): Falscher Flirt.
Ein Insider berichtet, wie ein Hamburger Dienste-Provider mit professionellen Chat-Moderatoren SMS-Kunden systematisch abzockt,
in: Focus Nr.30 v. 19.07.

Hubert GUDE berichtet wie Lonely Hearts mit SMS-Flirts abgezockt werden. Bezeichnenderweise werden die Praktiken politisch korrekt anhand einer "einsamen" Karrierefrau erläutert, während am Ende des Artikels geschrieben wird, dass es sich bei den Betrogenen überwiegend um Männer handelt.

STEIN, Hannes (2004): Eine ganz schlechte Angewohnheit.
Denken ist schädlich und unsozial und zertrümmert Karrierechancen,
in: Welt v. 31.07.

Der Sachbuchredakteur der Welt hat das Buch Endlich Nichtdenker! geschrieben und die Welt druckt deshalb Passagen aus der Einleitung ab. In der modernen Welt der Außenlenkung sind eigene Gedanken (Eigensinn, Schrulligkeit, erhöhte Selbstaufmerksamkeit) kontraproduktiv, vermittelt uns Hannes STEIN, und den Singles schreibt er ins Stammbuch, dass Denken einsam und unsozial macht:

"Wer grübelt (...) schließt sich von der Mehrheit aus; er wird bald feststellen, dass er mit vielen Leuten kein Gesprächsthema mehr findet. Kneipenbesuche geraten zur Tortur - man stellt fest, dass man mit all diesen Leuten, die da unbeschwert trinken und grölen, nichts mehr gemein hat (nicht einmal dann, wenn sie einst die besten Freunde waren). Dies aber kann der Mitwelt auf Dauer nicht verborgen bleiben. Sie schaut den Denker mit scheelen Augen an. Fortan gilt er als Spielverderber, der mit seinen intellektuellen Sprüchen jede Party kaputt macht. Vor allem gilt er als elitär, und das völlig zu recht (...). Er zitiert aus Büchern, die außer ihm kein Mensch kennt; er brütet merkwürdige Ansichten aus, die er in unpassenden Momenten äußert; er ist taub für den letzten Schrei, mit dem der Zeitgeist ihn zur Ordnung ruft. Muss er sich da wundern, dass die anderen ihn schneiden?
Wer denkt, verurteilt sich damit selbst zur schlimmsten Form der Einsamkeit (...). Ganz gewiss sind jene, die keine Freunde haben, denen sie sich öffnen können - wenn man es hart ausdrücken will - Kannibalen ihrer eigenen Herzen. Mitten in der Menge bleibt der Denker ein intellektueller Einzeller, eine Monade. Es gibt für ihn nur eine Möglichkeit, wie er wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann: Er muss mit seiner unsozialen Gewohnheit brechen.
"

Noch schlimmer - wir ahnen es schon - ist nur noch die Karrierefrau dran:

"Es wird schwieriger, Sexualpartner zu finden. Das gilt vor allem für den weiblichen Teil der Bevölkerung, denn Männer haben begründete Angst vor Frauen, die ihnen überlegen sein könnten. Besonders schwer haben es schöne Frauen; sie sind von der eisernen Aura der Unerreichbarkeit umschlossen wie von einem Keuschheitsgürtel. Schöne, kluge Frauen haben somit die besten Chancen, als verbitterte Jungfern zu enden. Aber auch denkende Männer leiden unter einem sexuellen Handicap. Sie stellen sich schrecklich stoffelig an, träumen davon, ihre Angebetete ins Bett zu reden, und wenn sie endlich handgreiflich werden, dann im falschen Moment. Ihnen fehlt das Spielerische, Gewissenlose, Südländische."

FRAUNE, Burkhard (2004): Einsam mitten in der Stadt.
Die Letzte Zeit des Lebens: Vergessen und isoliert. Viele Menschen sterben unbemerkt. Ihr Zahl wird steigen, fürchten Rechtsmediziner und Sozialforscher,
in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 12.08.

WOELLER, Marcus (2004): Das Cool in der Malerei.
Sich aufregen kostet nur Energie, also: kühlen Kopf bewahren und durch. Das Werk von Edward Hopper steht am Anfang einer Kunstgeschichte des Cool. Handlung findet sich in seinen Bildern kaum, dafür erhob er die Ereignislosigkeit zum Sujet. Tate Modern in London zeigt eine Retrospektive des Malers
in: TAZ v. 13.08.

Edward HOPPER wurde bislang als Maler der urbanen Einsamkeit interpretiert, neuerdings gilt das jedoch als cool...

WAGNER, Elisabeth (2004): Die Freundin der Siegerin.
Einige gute Gründe, allein zu sein. Ein Protokoll,
in: Berliner Zeitung v. 28.08.

Elisabeth WAGNER protokolliert das Leben einer Alleinlebenden: "Übrigens, ich heiße Anna, ich bin Schauspielerin, 32 Jahre alt, und ich lebe allein.
Ich habe aufgehört zu zählen oder darüber mit meinen Freunden zu reden. Die Männer, die ich kennen lerne, stelle ich selten noch jemandem vor. Es ist doch so, sobald wir einen Termin gefunden haben und meine Freunde ihm begegnen könnten, ist es meistens auch schon wieder vorbei. Es hat lange gedauert, bis ich glauben konnte, dass sich die Dinge tatsächlich wiederholen. Denn im Grunde mag ich keine Affären, und immer, wenn etwas beginnt, sehr viel seltener als Sie sich das jetzt ausmalen, versuche ich mir vorzustellen, wohin es führen könnte. Viele meiner Freundinnen bekommen jetzt Kinder. Sie legen mir ihre Babys in den Arm und fragen: »Na, wie fühlt es sich an?« Ich sollte weinen, zusammenbrechen und meine Einsamkeit bekennen, möglich, sie wären zufrieden mit mir und würden aufhören, mich anzusehen wie eine schiffbrüchige Kranke. Aber so einfach ist es nicht. Ich kann mich nämlich anstrengen wie ich will, ich spüre das Unglück nicht."

JOURNAL FRANKFURT-Titelgeschichte: Nie mehr Single.
Aktion: Wir bringen Sie in die Partnerschaft

TOMIC, Boris (2004): "Woher kommt eigentlich der Trend zur Einsamkeit?"
Prof. Dr. Stefan Hradil von der Uni Mainz klärt uns auf,
in: Journal Frankfurt Nr.22 v. 22.10.

NEON-Titelgeschichte: Welche Stadt passt zu dir?
Ausgehen und Arbeiten: neun lebenswerte Umzugsziele von BERLIN bis FREIBURG

SCHRÖDER, Vera (2004): Köln.
Für Einsame,
in: Neon, November

DRIBBUSCH, Barbara (2004): Wenn die Eltern plötzlich älter werden.
Sich von den eigenen Erzeugern absetzen, an ihnen herumnörgeln - das war gestern. Denn wenn Mutter und Vater einsam und gebrechlich werden, dann vertauschen sich die Rollen. Dann müssen wir uns kümmern. Drücken? Gilt nicht! Neue Ratgeber helfen, diese neue Situation zu bewältigen,
in: TAZ v. 06.12.

WICHERT, Silke & Ulf POSCHARDT (2004): Stille Nacht.
An Festtagen ist es besonders schlimm: Wenn Alleinsein nicht selbst gewählt ist, wird es zur Qual,
in: Welt am Sonntag v. 26.12.

POSCHARDT, Ulf (2004): "Einsamkeit wird vererbt".
Gespräch mit John Cacioppo,
in: Welt am Sonntag v. 26.12.

 
     
 
       
   

weiterführender Link

 
   

Einsamkeit - Vom Alleinsein in der paar- und familienorientierten Gesellschaft (Teil 2: 2005 - 2011)

 
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2016
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. Dezember 2015
Update: 31. Mai 2016