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Die Single-Generation
Oder:
Die Generationendebatte und die "Single-Gesellschaft"

 
       
   

"Wie man zu Singles steht, ist mehr geworden als eine Frage der persönlichen Lebensgestaltung und intimen Diskussion. Singles sind so häufig geworden, und die Presse hat sich ihrer so ausgiebig angenommen, daß Singles zur öffentlichen Angelegenheit geraten sind. Dadurch mehren sich die Gefahren einer vorurteilshaften Bewertung von Singles."
(HRADIL, Stefan: Die "Single-Gesellschaft", München: Beck, 1995)

 
       
   
 
       
   
Diese Website beschäftigt sich mit den Akteuren, Positionen und Abgrenzungspolitiken der Single-Generation. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit den 68ern und den Angehörigen der Generation Golf sowie die Kontroverse Familien contra Singles.

News:

11.12.2019 Das Statistische Bundesamt hat heute gemeldet: Jede fünfte Frau zwischen 45 und 49 Jahren war 2018 kinderlos. Schon vor 6 Jahren hieß es: Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren ist kinderlos. Das macht auf ein Problem aufmerksam, das vor 20 Jahren noch tabuisiert war: Akademikerinnen sind häufig späte Mütter. Aufgrund dieses (nicht so neuen) Trends wurde nun die endgültige Kinderlosenquote auf 45-Jährige und Ältere erhöht und dies auch in der Pressemeldung prominent genannt. Auf dieser Website wurde dies bereits in den Nuller Jahren angemahnt. Doch damals war Bevölkerungspolitik ein hart umkämpftes Terrain. Späte Mütter sollte es nicht geben, weswegen Kinderlosigkeitszahlen von über 30 Prozent (für Akademikerinnen sogar von über 40 bis zu 50 Prozent) kursierten. Dank der beendeten Blockadepolitik nach Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 wissen wir es nun besser: Statt eines Drittels und mehr bleiben tatsächlich lediglich ein Fünftel der Frauen dieser Jahrgänge kinderlos. Während die Akademikerinnenkinderlosigkeit sogar zurückgegangen ist, bekommen Nicht-Akademikerinnen häufiger keine Kinder. Die Kollateralschäden der Debatten der Nuller Jahre werden erst langsam sichtbar.  

11.11.2019 In der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte ist ein Themenheft zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse erschienen. Angesichts der Wahlerfolge der AfD steht dabei der Zusammenhang zwischen Infrastruktur und Integration im Mittelpunkt der Beitrage. Dabei zeigt sich, dass nunmehr der demografische Wandel nicht mehr per se zur Legitimierung neoliberaler Politiken herangezogen wird, sondern dieselben Zielsetzungen bzw. Maßnahmen nun mit den AfD-Wahlerfolgen begründet werden. Dies zeigt ein Vergleich zweier Texte, die zum einen vor Gründung der AfD und nun aktuell im Themenheft erschienen sind. 

17.10.2019 Zehn Tage vor der Landtagswahl in Thüringen haben zwei Institute aktuelle Wahlumfragen vorgelegt. In den Printmedien ist der Wahlkampf bislang weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlaufen. Die ausgeblutete Linkspartei verschanzt sich hinter ihrem beliebten Ministerpräsidenten. Die Medien aus dem linksliberalen Spektrum versuchen nun die Sympathisanten von SPD und Grünen zu mobilisieren. Dazu wird das Drohszenario der Unregierbarkeit aufgebaut. Hilft es Rot-Rot-Grün also, wenn der Wahlkampf nur unterschwellig in Thüringen-Artikeln, die die dortige Lage schönzufärben versuchen, geführt wird? Ist es möglich die AfD durch Hinweise auf die Anschläge in Halle und die Ausblendung der Vorgänge im Thüringer Wahlkampf kaltzustellen? Die Berichterstattung zu Thüringen im Umfeld der Landtagswahlen findet sich hier.     

03.09.2019 Das Statistische Bundesamt hat heute mit der Pressemitteilung Gestiegene Geburtenhäufigkeit bei älteren Müttern die Geburtenrate für das Jahr 2018 veröffentlicht. Mit der Veröffentlichung der rohen Geburtenziffern wird nun der Fokus nicht mehr auf das allein auf das Geburtenverhalten, sondern auf die Altersstruktur gelegt. Bislang wurde dieser Fokus in der Regel nur bei internationalen Vergleichen verwendet, nun aber werden die intra-nationalen Unterschiede hervorgehoben. Diese Fokussierung wurde bislang in der Regel in Ostdeutschland bei Pressemitteilungen der jeweiligen Landesämter verwendet. Die Verwendung auf der Bundesebene läutet in gewisser Weise einen Paradigmenwechsel an, der zur Stärkung der AfD auch im Westen führen könnte.

08.08.2019 Das Ranking Die Zukunft der Regionen in Deutschland. Zwischen Vielfalt und Gleichwertigkeit hat 19 gefährdete Regionen in Deutschland identifiziert. Statt der Landkreise und kreisfreien Städte werden Raumordnungsregionen verglichen. Welche Auswirkungen dies auf das Ergebnis hat, ist hier nachzulesen.

05.08.2019 Die SZ titelt politisch korrekt: "Wenn der Ruhestand die Sterblichkeit erhöht". Das Gegenteil stimmt dagegen genauso, denn die viele Beschäftigte, die nicht in gut bezahlten Berufen arbeiten, profitieren von der Frührente. Der Bericht von Alexander HAGELÜKEN zitiert hier eine RWI-Studie von Matthias GIESECKE zum "Ruhestands-Sterblichkeits-Puzzle". Leider wird die Studie jedoch sinnentstellt dargestellt. Mehr hier.

22.07.2019 Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg meldet: Höchste Geburtenzahl seit 1998.

16.07.2019 Das Statistische Bundesamt veröffentlicht heute Haushalts- und Lebensformen-Zahlen aus dem Mikrozensus 2018. Die Schlagzeile lautet Jede fünfte Person lebte 2018 in einem Einpersonenhaushalt, d.h. ca. 80 % der Personen in Haushalten leben in Mehrpersonenhaushalten.

Die Zahl der Alleinlebenden, d.h. der Einpersonenhaushalte am Hauptwohnsitz, ist zum Vorjahr um ca. 85.000 gestiegen. In Ostdeutschland, einschließlich Berlin ist die Zahl um ca. 58.000 (Der Anstieg in Berlin lag bei ca. 23.000), in Westdeutschland ohne Berlin nur um ca. 26.000 Alleinlebende gestiegen. In Ostdeutschland waren es ohne Berlin rund 35.000.

Außerdem wurden Zahlen zur Zuwanderung veröffentlicht ("Zuwanderung 2018: Deutschland wächst um 400 000 Menschen"). Diese Zahl liegt um 14.000 Menschen über den Annahmen der aktuellen 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, die erst Ende Juni veröffentlicht wurde.

27.06.2019 Das Statistische Bundesamt hat heute ihre 14. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung veröffentlicht. Während die Pressemitteilung und die Texte zur Pressekonferenz lediglich die politisch korrekte Interpretation des dem Innenministerium untergeordneten Bundesamts wiedergeben, ermöglichen die Tabellenbände umfassende Informationen, die alternative Interpretationsmöglichkeiten eröffnen. Mehr auch hier

Vom Statistischen Bundesamt wird die Bevölkerungspyramide immer noch idealisiert. Dazu heißt es im Begleitheft:

"Die aktuelle Bevölkerungsstruktur weicht schon lange von der Form der klassischen Bevölkerungspyramide ab. Ein pyramidenförmiger Altersaufbau bedeutet, dass die jüngsten Geburtsjahrgänge an der Pyramidenbasis zugleich die am stärksten besetzten Jahrgänge sind. Mit voranschreitendem Alter nimmt dagegen die Jahrgangsstärke infolge der Sterblichkeit immer stärker ab. Einen Altersaufbau in Form einer Pyramide hatte beispielsweise das Deutsche Reich von 1910." (2019, S.19)

Mit keinem Wort wird z.B. darauf hingewiesen, dass diese idealisierte Form einer hohen Kindersterblichkeit geschuldet war und aus diesem Grund kein Maßstab für den idealen Bevölkerungsaufbau sein kann. Es zeigt allerdings in welchem Ausmaß in der Bevölkerungspolitik immer noch althergebrachte Maßstäbe und eingeübte Bilder unsere angeblich moderne Gesellschaft beherrschen.  

26.06.2019 Das Bundesinstitut für Bevölkerung nutzt die morgige Veröffentlichung einer - längst überfälligen - neuen Bevölkerungsvorausberechnung, um auf die Bedeutung der kinderreichen Familien für die Geburtenrate hinzuweisen. Auf dieser Website wurde seit Beginn kritisiert, dass die Hetze gegen Kinderlose und die Verengung der Geburtenentwicklung auf das Phänomen Kinderlosigkeit (der Akademikerinnen) kontraproduktiv ist. In Deutschland wurden fast drei Jahrzehnte vergeudet, indem das wahre Problem der niedrigen Geburtenrate totgeschwiegen wurde. Die Publikation Kinderreiche Familien in Deutschland - Auslaufmodell oder Lebensentwurf für die Zukunft? legt Zeugnis ab über diese irregeleitete Bevölkerungspolitik der letzten drei Jahrzehnte:

"Letztlich ist der Geburtenrückgang in der Bundesrepublik Deutschland zu 26 Prozent auf den Anstieg der Kinderlosigkeit und zu 68 Prozent auf den Rückgang kinderreicher Familien zurückzuführen" (2019, S.20)

Mit überhöhten Zahlen zur Kinderlosigkeit in Deutschland wurde eine beispiellose Hetze gegen Kinderlose betrieben, statt die wahren Ursachen zu bekämpfen. Das hat dazu beigetragen, dass fast drei Jahrzehnte Fake-News zum Kinderwunsch verbreitet wurden und sich die Normen in Deutschland - wenig verwunderlich - ins Negative verschoben. Diese Website hat diese skandalöse Berichterstattung dokumentiert. Das Buch Die Single-Lüge hat bereits Mitte der Nuller Jahre das Ausmaß der Desinformation zur Geburtenentwicklung  zusammengefasst und auf die damit verbundene Gefahr des Erstarkens einer nationalkonservativen Bewegung - wie sie sich nun in der AfD auch politisch manifestiert - frühzeitig aufmerksam gemacht. Niemand kann daher behaupten, dass diese Entwicklung nicht voraussehbar war! Auf dieser Website wurde die herrschende wissenschaftliche Zeitdiagnose und ihre Ignoranz gegenüber der seit Anfang der 1990er Jahre stärker werdenden Gegenbewegung als Problem gesehen. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, die ihren Ausdruck mittlerweile in sich unversöhnlich gegenüberstehenden Politikentwürfen findet (Grüne vs. AfD), wurde bereits in den 1980er Jahren unter dem Diktum der "Single-Gesellschaft" grundgelegt. Noch im Jahr 2004 erschien eine Festschrift zum kosmopolitischen Projekt, die eine nicht mehr existierende gesellschaftliche Homogenität fortschrieb und die bereits darauf hindeutete, dass unseren wissenschaftlichen Eliten das Verständnis der gesellschaftlichen Lage abhanden gekommen war.             

12.03.2019 Das europäische Statistikamt hat heute die Geburtenentwicklung der EU für das Jahr 2017 veröffentlicht. Seit 2016 werden in Deutschland wieder die meisten Kinder in der EU geboren. Mehr hier

19.01.2019 Das Statistische Bundesamt hat heute eine Schätzung der Bevölkerungsentwicklung für 2018 veröffentlicht. Die Amtsstatistiker gehen von einem leichten Anstieg der Geburtenzahl bei rückläufiger Zuwanderung aus. Eine Analyse befindet sich hier     

 
       
   
 
       
   

Die Generationendebatte und die Single-Gesellschaft

 
       
   
Der Generationenbegriff hat Konjunktur, ob es nun um die Neue Deutsche Literatur, die Berliner Republik, die New Economy oder den sog. Generationenvertrag geht. Der letztgenannte Begriff wird noch am ehesten mit der Single-Debatte in Verbindung gebracht. Der Begriff Single-Generation existiert im öffentlichen Diskurs noch nicht, aber der Begriff Generation Ich, den der Spiegel v. 22.05.2000 prägte, ist vielleicht nur ein erster Schritt dorthin.

Wenn Susanne GASCHKE auf die Frage Was ist heute radikal? mit Die Familie antwortet (Die Zeit Nr.38/1998) und Benjamin von STUCKRAD-BARRE in Tristesse Royale (1999) Heiraten als Rebellion gegen die Rebellion auffasst, dann deutet dies auf generationsspezifische Legitimationsmuster von Lebensformen hin. In loser Folge soll dieses Thema deshalb auf dieser Website aufgegriffen werden. Im ersten Beitrag geht es um eine Art Bestandsaufnahme und um die Fragen: Welche Generationen sind im Gespräch? Wie entstehen Generationen? Ist es überhaupt noch sinnvoll von Generationen zu sprechen?

 
       
   
 
       
   

Das Single-Dasein war in der bürgerlichen Gesellschaft lange Zeit eine mehr oder weniger abweichende Lebensform. Mit welchen Anfeindungen Alleinstehende in dieser Zeit leben mussten, das wird anhand der Literatur früherer Zeiten erfahrbar, aber auch ältere Schriftsteller haben einen anderen Blick auf die Gegenwartsgesellschaft.

 
       
   

Die 68er-Generation hat alternative Lebensformen zur bürgerlichen Kleinfamilie durchsetzen wollen. Dies geschah meist ohne elterliche Rollenvorbilder. Die Kleinfamilie war jedoch die negative Kontrastfolie für die Lebensformexperimente. In der Literatur spiegelt sich diese Suche nach lebbaren Alternativen wider. Die 68er haben kollektive Lebensformen angestrebt, das Single-Dasein ist für sie deshalb Ausdruck eines Scheiterns im Sinne eines Rückzugs ins Private. Von daher ist es nicht erstaunlich, dass die These von der "Single-Gesellschaft" von dem 68er Soziologen Ulrich BECK erfunden wurde. Der Kulturkampf um die richtige Lebensform ist immer auch ein Generationenkonflikt zwischen 68ern und 78ern.

 
       
   

Die 78er-Generation war für die 68er Revolte zu jung und für die Hausbesetzungen und "Null Bock" zu alt. Sie war aber die erste Generation, die in ihrer Jugend die Wahl zwischen verschiedenen Lebensformen hatte. 78er konnten bei den Eltern wohnen, in einer Wohngemeinschaft leben, das Alleinleben im Single-Appartement ausprobieren, unverheiratet zusammenleben oder eine Ehe eingehen. Das Thema der 78er-Autoren sind diese Experimente mit verschiedenen Lebensformen und deren Folgen. Auf dieser Website werden die 78er unter die Single-Generation subsumiert.

 
       
   

Seit Ende der 1980er Jahre haben Familien-Werte Hochkonjunktur. Lifestyle-Magazine wie Wiener und Tempo waren die Trendsetter der "Neuen Lifestyle-Familie". Die Popliteraten der Generation Golf haben in den Lifestyle-Magazinen ihre Karriere begonnen. Das Thema der Autoren der Generation Golf ist ein diffuses Verlustgefühl und eine Sehnsucht nach der Normalfamilie der Neuen Mitte. Das Single-Dasein erscheint in dieser Perspektive als abweichende und zu überwindende Lebensform. Heiraten wird zu einem Akt der Rebellion und zum Statussymbol der Neuen Mitte.

 
       
   

Erwachsenwerden im Zeichen der Demografiepolitik

 
       
   

Im Sog der Demografiepolitik der 68er, der neuen Reaktionäre aus der Single-Generation und den Verfechtern der Familienwerte in der Generation Golf, gerät das Single-Dasein wieder zum abweichenden Verhalten. Das Erwachsenwerden der nachfolgenden Generationen steht damit im Zeichen von Einsamkeit, Partnerlosigkeit und Kinderlosigkeit als Stigma.

 
       
   
 
       
     
       
   
 
   

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webmaster@single-generation.de Stand: 11. Dezember 2019